Rizin: Die Kugel im Regenschirm

Shownotes

  • Georgi Markow, bulgarischer Schriftsteller im Londoner Exil, wird am 7. September 1978 an der Waterloo Bridge mit einer winzigen Metallkugel vergiftet und stirbt vier Tage später.

  • Rizin stammt aus den Samen des Wunderbaums, einer gewöhnlichen Zierpflanze, und gehört zu den giftigsten Proteinen der Natur.

  • Die B-Kette des Rizins bindet an nahezu jede Körperzelle und schleust das Gift aktiv ins Zellinnere, ohne Alarm auszulösen.

  • Die A-Kette zerstört Ribosomen, also die Proteinfabriken der Zelle, irreversibel. Ein einziges Molekül schafft dabei etwa 1500 Ribosomen pro Minute.

  • Die Tatwaffe, eine Platin-Iridium-Kugel mit 1,52 Millimeter Durchmesser und einer bei Körpertemperatur schmelzenden Versiegelung, ist bis heute ein einzigartiges Dokument geheimdienstlicher Ingenieurskunst.

  • Der mutmaßliche Haupttäter Francesco Giullino lebte jahrzehntelang unbehelligt in Dänemark und starb 2023, ohne je angeklagt worden zu sein.

Dieser Fall steht exemplarisch für eine Wahrheit die sich durch alle bisherigen Folgen zieht: Das Gift allein tötet nicht. Es braucht immer ein System, das wegschaut. Was Rizin biochemisch so außergewöhnlich macht und warum Georgi Markow trotz Drohungen weitergeschrieben hat, ist Thema dieser Folge von Tödliche Verbindungen.

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00:00:04: Willkommen bei Tötliche Verbindungen, dem True Crime Podcast mit Dr.

00:00:09: Thimo Schühler.

00:00:14: Es ist der siebte September, in London.

00:00:18: Mein Donnerstag morgen!

00:00:21: Die Waterloo Bridge spannt sich über die Temse.

00:00:23: Unten zieht das graue Wasserträge vorbei.

00:00:26: Oben, Pendler, Busse – das gedämpfte Geräusch einer Stadt, die zur Arbeit geht.

00:00:34: Nach feuchtem Asphalt, nach dem leicht salzigen Hauch der Themse wenn der Wind von Süden kommt.

00:00:42: Georgi steht an der Bushaltestelle erst nörnundvierzig groß dunkelharig ein intellektueller mit wachen Augen.

00:00:50: er hat Bulgarien vor fast zehn Jahren verlassen zuerst nach Italien dann nach London.

00:00:57: Er arbeitet für die BBC Für Radio Free Europe.

00:01:00: Er schreibt und spricht.

00:01:02: er lässt sich nicht zum Schweigen bringen.

00:01:05: Drei Monate zuvor hat er eine anonyme Drohung bekommen.

00:01:09: Er solle aufhören, zu schreiben oder werde hingerichtet.

00:01:14: Er hat weitergeschrieben.

00:01:16: Jetzt wartet er auf sein Bus in der Hand seine Tasche und Kopf.

00:01:20: vielleicht der Text den er heute aufnehmen will?

00:01:23: Vielleicht der Kaffee, der noch auf ihn wartet?

00:01:27: Ein Mann geht an ihm vorbei.

00:01:29: Eine Schulter streift ihn dann ein Schmerz scharf kurz präzise als hätte ihn eine Wespe gestochen Tief in die rechte Wade.

00:01:41: Georgie dreht sich um, der Mann bückt sich, hibt einen Regenschirm auf, entschuldigt sich mit ausländischem Akzent höflich beiläufig und geht.

00:01:55: Georgi schaut auf sein Bein – nicht Sichtbares!

00:01:59: Ein kleiner roter Punkt vielleicht?

00:02:01: Er fährt weiter zur BBC, geht seine Arbeit nach und denkt nicht mehr daran bis abends ein Bein anschwillt, bis das Fieber kommt Bisher ins Krankenhaus muss.

00:02:15: Vier Tage später ist Georgi Makov tot.

00:02:19: Letzte Woche haben wir über Polonium-Zwauhundertzehn gesprochen, über eine Substanz, die einen Kernreaktor braucht und die nur Staaten herstellen können – eine Substans, die durch Strahlung tötet!

00:02:31: Heute sind wir dreißig Jahre früher und die Substanz die wir uns anschauen wächst in eurem Garten.

00:02:38: Der Wunderbaum Rizinos Cumunis ist eine Zierpflanze.

00:02:42: Ihr habt ihn vielleicht schon gesehen Große dekorative Blätter, manchmal ein bisschen rötlich, manchmal grün.

00:02:49: Er steht in Parks auf Balkonen im Vorgärten quer durch Europa.

00:02:54: In seinen Samen steckt eines der giftigsten Proteine die die Natur je hervorgebracht hat Rezin Mit einem C. Ein einziges Molekül davon kann eine Zelle töten Nicht einfach nur schwächen oder verlangsam sondern wirklich töten.

00:03:13: Und jemand hat zweihundert Millionsdel Gramm davon In eine Kugel gefüllt, kleiner als ein Stecknadlkopf und sie in Georgi Markovs Bein geschossen.

00:03:23: Willkommen bei Tödliche Verbindungen.

00:03:28: Dieser Fall berührt mich auf ne bestimmte Weise die ich kurz benennen möchte.

00:03:32: Markov war Schriftsteller.

00:03:34: Er hat Worte benutzt als Werkzeug Als Widerstand, als Zeugnis als das einzige was er hatte Und genau dafür wurde er getötet.

00:03:42: Es gibt einer Art von Stille Die entsteht wenn jemand zum Schweigen gebracht wird Und das ist nicht das natürliche Schweigen des Todes.

00:03:50: Es ist das gewollte, geplante mit Präzisionswerkzeug herbeigeführte Schweigen und das ist etwas ganz

00:03:57: anderes.".

00:04:01: Der Fall Georgi Markov wird in der Sophi geboren.

00:04:08: Er ist Ingenieur, wird Schriftsteller.

00:04:11: In den neunzehn als sechziger Jahren gilt er als einer der bedeutendsten Autoren Bulgariens.

00:04:16: Seine Romane- und Theaterstücke werden aufgeführt erst angesehen.

00:04:21: Er ist Teil des Establishments.

00:04:24: Dann beginnt er, unbequeme Fragen zu stellen.

00:04:27: Er kritisiert das kommunistische Regime unter Diktator Todor Schiffkopf.

00:04:31: Nicht laut und nicht frontal zunächst – aber spürbar!

00:04:35: Und in einem System, dass keine Kritik duldet, reicht es.

00:04:38: In den letzten Jahren verlässt er Bulgarien.

00:04:43: Offiziell zu einem Besuch bei seinem Bruder in Italien.

00:04:46: Er kehrt nicht zurück.

00:04:48: Später siedelt er nach London über.

00:04:51: Heiratet eine britische Frau, bekommt eine Tochter.

00:04:54: In London findet er seine Stimme.

00:04:57: Er arbeitet für die BBC World Service Für die Deutsche Welle Für Radio Free Europe.

00:05:02: Sender Die hinter dem eisernen Vorhang gehört werden Die Informationen in Länder tragen Wo Informationen gefährlich sind.

00:05:11: Seine Sendung über das Leben in Bulgarien Über die Absurdität des Regimes Über Schiffkopf persönlich.

00:05:18: Sie werden in Bulgarien heimlich gehört und sie treffen.

00:05:23: Schiffkopf ist nicht amüsiert.

00:05:25: In den Monaten vor September hat das Regime genug.

00:05:30: Drei Mal versucht ein Anschlag auf Markov oder geplant.

00:05:36: Im Juni überlebt Vladimir Kostoff, ein anderer vulgarischer Überläufer einen fast identischen Angriff in der Pariser Metro.

00:05:45: Er spürt einen Zischen, sieht einen Regenschirm ... findet später eine Kugel unter seiner Haut.

00:05:52: Er überlebt, weil die Kapsel nicht aufgebrochen ist und das Gift sich nicht verteilt hat.

00:05:58: Markov hat weniger Glück!

00:06:01: Der siebte September neunzehntundsechzig ist ein besonderes Datum – es ist der Geburtstag von Todor Schiffkopf.

00:06:07: Ich lasst das mal kurz im Raum stehen….

00:06:09: Markov steht an der Waterloo Bridge-Bushaltestelle.

00:06:13: Die bekannte Zähne?

00:06:14: Der Stich?

00:06:15: Der Regenschirm?

00:06:16: Der höfliche

00:06:17: Mann?!

00:06:18: Markov fährt zur BBC arbeitet seinen Dienst ab, bemerkt später Blut auf seiner Jeanshose.

00:06:25: Abends dann Fieber, Schwellung am Bein ... Übelkeit!

00:06:30: Er wird ins Krankenhaus eingeliefert.

00:06:32: Die Ärzte sind ratlos.

00:06:34: Was sie sehen, hohes Fiebir ein sich ausbreitender Entzündungsherd.

00:06:38: Rapide sinkende weiße Blutkörperchen.

00:06:40: Markov erzählt ihn von dem Stich vom Mann mit dem Regenschirm.

00:06:44: Er sagt, ich glaub der KGB hat mich vergiftet?

00:06:47: Die Äztes suchen einem Gift Finden zunächst nichts.

00:06:52: Am elften September neunzehntundsechzig vier Tage nach dem Anschlag stirbt Georgi Makov an Herzversagen, erst neunundvierzig Jahre alt.

00:07:02: Seine Tochter ist zwei!

00:07:05: Die Obduktion bringt die Auflösung.

00:07:07: Tief im Gewebe des Oberschenkels findet sich eine winzige Metallkugel.

00:07:11: der Durchmesser eins Komma fünf Zwei Millimeter und das Material Eine Platin iridium Legierung.

00:07:18: Die Kugel sind zwei Löcher gebohrt.

00:07:21: Rechtwinkelig zueinander, jeweils Nullkommadreifvier Millimeter Durchmesser.

00:07:25: Sie bilden zusammen einen kreuzförmigen Ohlraum.

00:07:29: Kein Gisch mehr nachweisbar.

00:07:30: Es war bereits metabolisiert Aber diesem Tome die Kugeln und bald darauf der Vergleich mit dem Costa Fall in Paris ergeben ein eindeutiges Bild Rezin ungefähr Zweihundert Mikrokran Versiegelt mit einer Beschichtung die bei Körpertemperatur schmilzt.

00:07:46: Die Waffe selbst Bleibt bis heute teilweise ein Rätsel.

00:07:49: Der Regenschirm, eine zur Waffe umgebaute Konstruktion die eine kleine Kugel pneumatisch abfeuert wurde nie gefunden.

00:07:56: Neue Untersuchungen bezweifeln sogar ob es wirklich ein Regenschirm war oder ob eine kleinere handlichere Waffe eingesetzt wurde und der Regenschimm nur als Ablenkung diente.

00:08:06: Scotland Yard geht inzwischen von einem ganzen Attentäter-Team aus nicht einem einzigen Einzeltäter.

00:08:13: was klar ist er bulgarische Geheimdienst hat den Anschlag ausgeführt.

00:08:17: Das Gift und die Kugel kamen vom KGB.

00:08:19: Der Befehl kam von Todor Schiffkopf persönlich, das hat kein geringerer als KGB-General Oleg Kalogin nach dem Untergang der Sowjetunion öffentlich bestätigt.

00:08:29: Der mutmaßliche Haupttäter Francesco Jolino, Deckname Piccadilly ein dänisch-bulgarischer Agent erlebte jahrzehntelang unbehelligt in Dänemark.

00:08:40: Er starb im Jahr zwanzig und wurde nie angeklagt.

00:08:48: Die Chemie dahinter?

00:08:51: Ich möchte mit einer Frage anfangen.

00:08:53: Was ist das Giftigste, das ihr kennt?

00:08:56: Viele würden an Chemikalien denken – an Kampstoffe und radioaktive Substanzen wie letzte Woche!

00:09:02: Manche vielleicht an Schlangengifte….

00:09:04: Die giftigsten Substanzen die es gibt sind Proteine, Portoliniumtoxin, Tetanostoxin und Rizin.

00:09:13: Alle Samtmoleküle, die die Natur hervorgebracht hat und die in ihrer Effizienz alles übertreffen was Chemiker je synthetisiert haben.

00:09:20: Rizin kommt aus dem Samen des Wunderbaums, Ricinos comunis.

00:09:24: Der selbe Baum dessen Öle als Abführmittel bekannt ist das in Kosmetiker verwendet wird.

00:09:29: Er steht den Parks auf Balkon im Vorgärten quer durch Europa.

00:09:33: große dekorative Blätter eben manchmal rötlich manchmal grün wirklich unscheinbar.

00:09:39: und in seinen Samen steckt eines der tödlichsten Moleküle der Natur.

00:09:44: Und jetzt erkläre ich auch warum?

00:09:46: Rizinn ist was Biochemika ein Klykoprotein nennen Das heißt ein Protein mit Zuckersaltenketten.

00:09:53: Stellt euch das vor wie einen Schlüsseln mit einem Anhänger und der Anhänger, also die Zucker, die sorgen dafür dass der Schlüssel in bestimmte Schlösser passt.

00:10:02: Der Schlüssel selbst hat eine ganz andere Aufgabe aber dazu kommen wir dann gleich.

00:10:07: Das besondere Rezin besteht aus zwei Teilen.

00:10:10: Zwei Ketten, die sogenannte A-Kette und B-Kätte, die durch eine Schwefelbrücke zusammengehalten werden.

00:10:16: Wie zwei Werkzeuge einzige Mission zusammengebaut hat.

00:10:20: Und diese zwei Teile spielen ein Spiel, das so präzise ist, dass man es fast bewundern müsste ... wenn's nicht töten würde.

00:10:29: Fangen wir mit der B-Kette an!

00:10:31: Das ist sozusagen der Türöffner.

00:10:33: Auf der Oberfläche jeder Zelle in eurem Körper sitzen Zuckermoleküle unter anderem Galaktose und diese Zucker sind wie Tierschilder.

00:10:41: die zeigen mich an was die Zelle isst wozu sie gehört und was die zelle tut.

00:10:47: Die B-Kette von Rizin erkennt genau diesen Zucker, oder diese Zuckermoleküle mehrere.

00:10:53: Sie bindet dann daran und das Entscheidende ist Galaktose sitzt auf fast jeder eukaryotischen Zelle als auf jeder Zelle die einen Zellkern hat Herzmuskelzellen, Leberzellen Nervenzellen Immunzellen Darmzellen.

00:11:08: Das bedeutet Rizine hat keinen bevorzugten Eingang.

00:11:12: Es hat eine Art Generalschlüssel der bei fast jeder Tür funktioniert.

00:11:17: Sobald die B-Kette an die Zelloberfläche gebunden hat, passiert etwas das sich ja faszinieren und gleichzeitig ziemlich erschrecken findet.

00:11:24: Die Zelle nimmt das Rezin aktiv auf – die Schlucktes durch einen Prozess der Endozytose heißt bei dem die Zellenmembranen sich einfaltet um das Molekül ins Innere zieht.

00:11:36: Die Zelle hält Rizin für etwas harmloses, vielleicht für Nährstoff?

00:11:40: Für etwas das auf jeden Fall hierher gehört und öffnet die Tür und lädt somit den Einbriecher ein.

00:11:48: Ist das Molekül jetzt erst mal in der Zelle?

00:11:50: Kommt die A-Kette ins Spiel!

00:11:52: Und hier wird es dann wirklich biochemisch interessant, im Inneren der Zellen trennen sich nämlich die beiden Ketten.

00:11:58: Die B-Kätte hat ja ihre Aufgabe erfüllt... ...und jetzt ist die A Kette dran.

00:12:02: Und die sucht das sogenannte Ribosom oder Ribosomen.

00:12:06: Ribosoman muss kurz erklären was das ist, weil's der Schlüssel zu allem isst.

00:12:11: Stellt euch eine Zelle vor wie ne Art riesige Fabrik.

00:12:15: In dieser Fabrik gibt es Tausende von Produktionslinien.

00:12:18: Jede stellt etwas anderes her, Enzyme, Strukturproteine, Hormone – alles was die Zelle zum Leben braucht!

00:12:25: Und diese Produktions-Linien sind die Ribosomen.

00:12:29: Die lesen den Bauplan,

00:12:31: d.h.,

00:12:31: die genetischen Informationen, die RNA, die aus dem Kern rausgeschrieben wurde und übersetzten das Ganze in Proteine.

00:12:39: Ohne Ribosomens gibt's keine Proteine und ohne Proteine keine Zellfunktion und ohne Zellfunktion logischerweise kein Leben.

00:12:46: Die A-Kette ist jetzt ein Saboteur, der in diese Fabrik eingedrungen ist.

00:12:51: Und was macht dieser Saboteure?

00:12:54: Der sucht sich eine ganz bestimmte Stelle in der Maschine an einer einzelne Basis, an den einzelnen Ardänien einer bestimmten Position der ribosomalen RNA – und schneidet die heraus!

00:13:08: Stellt euch vor das ist ne komplexe Maschine tausende von Teilen Und an Saboteur entfernt eine einzige kritische Schraube.

00:13:16: Die Maschine läuft da nicht mehr, die klemmt und geht kaputt!

00:13:21: Das Entscheidende?

00:13:23: Die Maschine kann auch nicht mehr repariert werden – also die Schrauber kann ja einfach wieder eingedreht werden.

00:13:27: Das Rebosom ist irreversibel inaktiviert.

00:13:31: Die Produktion in dieser Linie steht dann für immer still….

00:13:36: Und jetzt kommt eine Zahl, die ich in jeder Quelle gelesen habe und die mich jedes Mal wieder innehalten lässt.

00:13:41: Ein einziges A-Kettenmolekül kann ungefähr ... ... pro Minute inaktivieren.

00:13:52: Ohne sich dabei selbst zu verbrauchen!

00:13:54: Stellt euch den Saboteur vor.

00:13:56: Der geht durch die Fabrik von Maschine zur Maschine... ...und entfernt immer wieder die gleiche Schraube.

00:14:01: Geht weiter, entfernt ne Schraub.

00:14:02: Maschine für Maschine, immer weiter unermüdlich.

00:14:06: Die Fabrik kann keine neuen Rebosomen schnell genug produzieren, um den Verlust auszugleichen.

00:14:11: Das geht einfach nicht!

00:14:13: Neue Rebosoben herzustellen dauert Stunden und der Saboteur ist viel schneller.

00:14:18: Irgendwann stehen dann alle Linien still – es gibt keine Proteine mehr und das heißt die Zelle stirbt.

00:14:24: Und weil die B-Kette an praktisch jede Zelle gebunden hat und weil dieser Prozess in Tausenden von Zellen gleichzeitig abläuft, kollobiert er ganze Körper eben nicht nur einen Organ Nicht ein einzelnes System, sondern einfach alles.

00:14:40: Was das klinisch bedeutet?

00:14:42: Das können wir direkt an Markov sehen!

00:14:44: Übelkeit erbrechen in den ersten Stunden.

00:14:47: Das sind die Darmzellen, die als Erste versagen weil sie sich eben sehr schnell teilen und damit besonders viele aktive Reposomen brauchen.

00:14:55: Dann Fieber Entzündungsreaktionen der verzweifelte Versuch des Immunsystems irgendwie zu reagieren Und dann der Einbruch sinkende Leukocytenzahl Das Knochenmark versagt, interne Blutungen und Herzversagen.

00:15:10: Vier Tage, das ist alles was Rezin in der Menge die Markov initiiert wurde gebraucht hat.

00:15:16: Die Waffe – Ingenieurkunst im Dienst des Mordes.

00:15:21: Ich möchte noch mal kurz bei der Kugel innehalten weil das ist in der Geschichte der Mordwaffen absolut einzigartig.

00:15:28: Durchmesser ½ mm Eine Platiniridiumlegierung, ein Material das im Körper keine Entzündungsreaktionen auslöst und das chemisch innert ist.

00:15:39: Das heißt dass es nicht korrodiert.

00:15:41: zum Beispiel!

00:15:42: Zwei Löcher von Nullkommar drei vier Millimeter Durchmesser rechtwinkelig zueinander der kreuzfirmige Hohlraum und groß genug für zweihundert Mikrogramm Rezin.

00:15:53: Klein genug um im Gewebe unsichtbar zu bleiben Versiegelt mit einer Beschichtung, die bei Körpertemperatur schmilzt.

00:15:59: Bei sieben dreißig Grad Celsius der normalen Körperwärme Nicht darunter nicht deutlich darüber genau dort.

00:16:06: stellt euch vor wie präzise das durch dacht wurde.

00:16:08: Die kugel musste beim transport stabil bleiben Sie durfte nicht in der luft aufgehen nicht den der gleitung erst im körper und dort genau zum richtigen zeitpunkt.

00:16:19: Das ist kein zufall dass es ein labor ein ingenieur wahrscheinlich mehrere testläufe erhebliche expertise Und der KGB hat das Ganze für diese Waffe spezifisch entwickelt.

00:16:32: Dann ist dann noch das Rezin selbst, als Protein ist es empfindlich – Hitze kann denaturieren, also

00:16:39: d.h.,

00:16:39: die dreidimensionale Struktur zerstören und damit inaktivieren.

00:16:43: Es muss da so in die Kugel eingefüllt werden, dass seine Aktivität vollständig beibehält.

00:16:49: Das ist keine triviale Aufgabe!

00:16:51: Wie viele Menschen?

00:16:53: Chemiker, Ingenieure oder Geheimdienstler waren an diesem einen Stich beteiligt.

00:16:59: Der Nachweis und Therapie.

00:17:02: Beim Nachweis ist Rezin eine eigene Herausforderung, in Markovs Fall fand sich bei der Obduktion kein Rezin mehr im Körper.

00:17:10: Das war bereits komplett vollständig abgebaut.

00:17:13: Proteine werden vom Körper metabolisiert – das ist ihr normales Schicksal!

00:17:18: Die Diagnose wurde aus der Kugel den Symptomen.

00:17:25: Heute gibt's eine bessere Methode.

00:17:26: Hochsensitive Immunoressays, das sind Tests die mit Antikörpern arbeiten ähnlich wie eben dieses Schlüssel-Schlossprinzip.

00:17:35: nur dass der Schlüssel spezifisch Rezin erkennt.

00:17:37: Massenspektromie kann charakteristische Bruchstücke des Proteins nachweisen aber nur innerhalb eines engen Zeitfensters nach einer Vergiftung.

00:17:47: zur Therapie und das ist ja fast inzwischen ein Referent diesem bisherigen Podcast oder den bisherigen podcast folgen Da gibt es kein Antidot.

00:17:57: Es gibt keine Substanz, die in die Zelle einträgt und die A-Kette neutralisiert.

00:18:01: Keine Möglichkeit, die zerstörten Ribosomen zu reparieren!

00:18:04: Das Bild des Saboteurs der durch die Fabrik gegangen ist hilft hier weiter – wenn alle Maschinen zerstört sind, hilft kein Wartungsteam mehr.

00:18:11: Man kann nur versuchen, die Fabrik aufrechtzuerhalten, Kreislauf stabilisieren, Infektionen verhindern ... Zeit gewinnen... Es gibt Forschungen an Antikörpern gegen Rezin.

00:18:21: Moleküle, die das Gift abfangen sollen, bevor es in die Zellen eindringt.

00:18:26: Impfstoffansätze werden ebenfalls untersucht – aber nichts davon ist bisher klinisch irgendwie verfügbar!

00:18:32: Bei Makov hätte selbst eine sofortige Diagnose wahrscheinlich überhaupt nichts geändert.

00:18:36: Die Menge war viel zu hoch und das Zeitfenster auch zu kurz.

00:18:41: Zur Chemie ein abschließender Gedanke zur Substanz selbst.

00:18:45: Rezin ist in seiner Wirkung völlig und diskriminierend.

00:18:49: Das heißt, es unterscheidet nicht zwischen Herzmuskelzelle und Leberzelle Zwischen jung und alt, zwischen gesund und krank.

00:18:56: Die B-Kette öffnet jeden Eingang Und die A-Kätte zerstört jede Fabrik!

00:19:01: Die Natur hat dieses Molekül als Schutz entwickelt Als Abwehrmechanismus des Samens gegen Fressfeinde Ein Überlebensmechanismus der Pflanze Und Menschen haben daraus eine Mordwaffe gemacht Und jemand hat sie in eine Kugel gefüllt Viel kleiner als ein Stecknadelkopf Und sie dann noch in einen Regenschirm versteckt Um auf einer Londoner Brücke damit einen anderen Menschen zu töten.

00:19:24: Das ist der Abstand zwischen Botanik und Biochemie auf der einen Seite, was Menschen daraus machen können auf der anderen.

00:19:32: Offene Fragen?

00:19:34: Was bleibt offen?

00:19:35: Anders als bei Litvinenko ist das juristische Bild hier klarer – und gleichzeitig bedeutungsloser!

00:19:42: Wir wissen wer den Befehl gegeben hat.

00:19:44: Schiffkopf bestätigt durch einen KGB-General.

00:19:47: Wir wissen, wer das Gift geliefert hat mit dem KGB.

00:19:51: Wir wissen, wen Scotland Yard als mutmaßlichen Haupttäter identifiziert hat.

00:19:56: Francesco Jolino – Deckname Piccadilly Jolinho lebte jahrzehntelang in Dänemark.

00:20:03: Dänische Behörden haben ihn mehrfach befragt … aber nie angeklagt!

00:20:07: Er starb im Jahr zwanzig.

00:20:09: Mit ihm ist das letzte lebende Direkte-Klid dieser Kette verschwunden.

00:20:13: Schiffkopf selbst starb in den letzten Jahren.

00:20:16: Nach dem Ende des Kommunismus, nach einem kurzen Strafprozess der mit einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauch endete.

00:20:22: Nicht wegen Mordes!

00:20:24: Er wurde sechsunachtzig Jahre alt.

00:20:26: Die offene Frage ist nicht mehr wer – die ist bekannt?

00:20:31: Die offne Frage ist Warum hat es nie eine vollständige Strafverfolgung gegeben?

00:20:35: Warum hat Dänemark Julino nie ausgeliefert?

00:20:39: Die Antworten haben wir so oft mit Politik zu tun.

00:20:41: Mit diplomatischen Rücksichten mit der Schwierigkeit, Jahrzehnte alte Taten in sich verändernden Rechtssystem zu verfolgen.

00:20:49: Markov hätte dieses Jahr fünfundneinzig Jahre alt werden können – seine Tochter Sascha zwei Jahre alt als er starb ist heute Mittevierzig.

00:20:58: Was bleibt jetzt von diesem Fall?

00:21:00: Georgi Markov hat geschrieben bis zum letzten Tag.

00:21:03: Er wusste dass er bedroht wurde.

00:21:05: er hat die Drogen ernst genommen und hat trotzdem weitergemacht.

00:21:09: Ich finde das schwer zu fassen.

00:21:11: Es ist nicht als Bewunderung zu verstehen, die ich von außen formuliere.

00:21:15: Es ist ne echte Frage was bringt jemandem dazu?

00:21:19: Was muss man für eine Überzeugung haben?

00:21:22: Eine Überzeugungen, die stärker ist als die Angst vor einem Stich in die Wade!

00:21:26: Ich glaube er hat geglaubt das stille schlimmer ist als Gefahr dass ein Leben in Schweigen kein vollständiges Leben ist.

00:21:33: Das ist eine persönliche Entscheidung.

00:21:35: Das soll kein Urteil darüber sein aber ich denke daran wenn ich an diesem Podcast sitze an einem Thema.

00:21:40: Das ist auch für mich was bedeutet.

00:21:42: Man schreibt, man spricht, man macht Dinge öffentlich aus irgendwelchen Gründen manchmal nicht ganz bewusst.

00:21:49: In den letzten vier Folgen haben wir uns durch vier Fälle jetzt gearbeitet Vier Substanzen, vier Täter, vier Systeme oder eben das Fehlen davon Was mir auffällt wenn ich zurückschaue in keinem dieser Fälle hat die Substanz allein getötet.

00:22:01: immer war da auch ein Umfeld dass es möglich gemacht hat einmal wars Schweigen wegschauen Immunität oder politische Rücksicht Nicht eine Kritik, die ich irgendwo hinrichte.

00:22:14: Das ist einfach ne Beobachtung, die man im Kopf behalten sollte und die nächsten Folgen wahrscheinlich auch weiterhin begleiten wird.

00:22:21: In den nächsten Folgern verlassen wir die Welt der politischen Morde Und widmen uns na ganz anderen Frage Was isst wenn jemand Gift nicht dafür benutzt um jemanden zu töten sondern um ihn krankzumachen?

00:22:34: Damit man sich um ihn oder um sie kümmern kann damit man auch Aufmerksamkeit bekommt?

00:22:42: Wenn du den Themenkomplex kennst, dann wirst du wissen dass es um Milchhausen bei Proxy geht.

00:22:47: Und das in Bezug auf Giften!

00:22:50: Vielen Dank, dass du bis zum Schluss zugehört hast.

00:22:53: Weitere Informationen findest du bei Instagram oder TikTok jeweils unter tödlicher Verbindung.

00:23:00: Das war tödliche Verbindung Bis nächste Woche.

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